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Gedanken
Christian Altenburger im Gespräch mit
Dr. Joachim Reiber, Redakteur der Zeitschrift "Musikfreunde" der
Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
International vielgefragter Solist, Kammermusiker,
Festspielintendant, Lehrer: Das ist eine große Fülle von Tätigkeiten.
Ist es nicht schwer, sie miteinander in Einklang zu bringen?
Nein, eigentlich nicht. Denn die Balance
stimmt, der Einklang ergibt sich schon daraus, daß sich
diese Facetten meiner Tätigkeit bestens ergänzen und
das eine aus dem anderen entstanden und gewachsen ist. Es war
zum Beispiel nie ein Ziel
von mir, Intendant eines Festivals zu werden. Daß ich trotzdem
die künstlerische Leitung von mittlerweile zwei Festivals übernommen
habe, hat sich schrittweise entwickelt, ausgehend von meiner Freude
an der Kammermusik. Diese Freude gemeinsam mit Freunden zu erleben:
das war der Ausgangspunkt. Zu dem Wunsch, gemeinsam mit ihnen zu
musizieren, kam dann auch die Lust, mir selbst Projekte auszudenken
und sie mit Freunden zu realisieren.
Eine nicht von vornherein
intendierte Intendanz also …
Ja, so könnte man sagen. Zuerst waren es einzelne Kammermusikprojekte,
die ich etwa für die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
planen und durchführen konnte. Dann schloß sich, in
einem organischen nächsten Schritt, die Einladung an, gemeinsam
mit der Schauspielerin Julia Stemberger die künstlerische
Leitung des Festivals „Mondseetage“ zu übernehmen
und hier Kammermusik und Literatur in einem besonderen Festivalprogramm
zu präsentieren. Und wieder ganz von außen kam dann
vor wenigen Jahren die Anfrage, die künstlerische Leitung
des „Schwäbischen Frühlings“ zu übernehmen – eines
kleinen, sehr ambitionierten Festivals in Oberschwaben, das mit
architektonisch reizvollen Spielstätten ein ideales Ambiente
für Kammermusikprogramme bietet.
In Festivals dieser Art
liegt ein besonderer Reiz. Haben Sie – gerade
im Hinblick auf die Kammermusik – nicht sogar deutliche Vorzüge
gegenüber dem regulären Konzertbetrieb?
In gewisser Weise ja. Im normalen Konzertbetrieb ist es mehr und
mehr üblich geworden, aus bestimmten, auch „verkaufstechnischen“ Gründen
Künstler mit klingenden Namen kurzfristig zu Kammermusikformationen
zusammenzusetzen. Das kann wunderbar funktionieren, aber eben auch
furchtbar mißlingen. Wenn man selbst spielt, die Kammermusikpartner
von vielen gemeinsamen Auftritten kennt und mit ihnen freundschaftlich
verbunden ist, dann entwickelt man, denke ich, ein anderes Gespür
dafür, wer mit wem harmoniert und welche Besetzung für
welches Stück paßt.
Ein weiterer Vorteil solcher Festivals liegt sicher darin, daß man
ganz andere Programme als üblich verwirklichen kann – schon
einfach deshalb, weil etliche Künstler über einen gewissen
Zeitraum ständig zur Verfügung stehen. So konnten wir
beispielsweise unlängst bei den „Mondseetagen“ Mozarts
Notturni für drei Singstimmen und Bassetthörner, Schönbergs
Streichsextett „Verklärte Nacht“ und eine Lesung
in einem einzigen Programm verbinden. Und eine solche Kombination,
die allein aus pragmatischen Gründen in keinem regulären
Konzertbetrieb möglich wäre, ist schon sehr reizvoll.
Sie hat ein anderes Gesicht und mehr Farbigkeit als ein herkömmlicher
Quartettabend – wobei das sicherlich auch etwas Schönes
ist!
Apropos „Quartett“: Hat es Sie als passionierten Kammermusiker
nicht gereizt, ein eigenes Streichquartett zu gründen?
Das solistische Spiel war und ist mir selbstverständlich wichtig!
Und damit scheidet eine solche Überlegung von vornherein aus.
Denn ein Streichquartett, das heute in der „Oberliga“ mitspielen
will, erfordert den 100prozentigen Einsatz jedes Mitglieds. Hier
heißt es dann wirklich: Entweder – Oder. Streichquartett
oder solistische Laufbahn. So habe ich selbst für mich
einen eigenen Weg gesucht und eine Lösung darin gefunden,
daß ich zwar kein festes Ensemble habe, aber einen fixen
Kreis von Musikern, mit denen ich seit Jahren intensiv musiziere.
Und auch hier ist, denke ich, eine Qualität entstanden, die
sich abhebt von der einer zusammengewürfelten Gruppe. So spiele
ich mit dem Cellisten Patrick Demenga und dem Bratschisten Lars
Anders Tomter seit langem Streichtrio. Das ist eine Formation unter
Freunden, die zu einem echten Ensemble zusammengewachsen ist.
In welchem Verhältnis stehen denn Ihrer Meinung nach solistisches
und kammermusikalisches Spiel? Was kann man aus dem einen für
das andere gewinnen?
Ich finde, man lernt vor allem von der Kammermusik viel fürs
solistische Spiel. Nehmen wir das Alban-Berg-Konzert: Das muß eigentlich
gespielt werden wie große Kammermusik. Wenn man hier nicht
hört und nicht weiß, was die anderen Stimmen spielen,
ist man verloren. Und auch bei einem Mozart-Konzert geht es um
die Kommunikation im Verbund des Ganzen – auch da kann man
selbstverständlich nicht einfach seinen Part spielen und sich
darauf verlassen wollen, daß die anderen schon irgendwie
mitkommen. Die Kammermusik schärft dafür die Sensibilität.
Musik als Geben und Nehmen, als Aufeinander-Zugehen: Das ist das
Prinzip dieser Musizierform, die auch aufs Solokonzert zu übertragen
ist. Leider muß man anmerken, daß sich der Musikbetrieb
dem oft entgegenstellt. Solistenkonzerte mit nur einer kurzen Orchesterprobe – bei
solchen Gepflogenheiten muß sich die Verständigung aufs
Notwendigste beschränken, da bleibt notgedrungen vieles von
dem auf der Strecke, was in der Kammermusik verwirklicht werden
kann. Man kann als Solist diesem Trend entgegenarbeiten – besonders
dann, wenn man das Glück hat, mit einem hervorragenden Dirigenten
enger zusammenzuarbeiten.
Haben Sie solche Begegnungen gehabt? Gab es Dirigenten, die sozusagen
kammermusikalisch vertraute Partner waren?
Ja, sicherlich. In erster Linie würde ich da James Levine
nennen, mit dem ich in jungen Jahren viel gespielt habe – solistisch,
aber eben auch Kammermusik. Levine hat sich enorm viel Zeit genommen.
Vor Konzerten mit dem Chicago Symphony Orchestra und den Wiener
Philharmonikern plante er sogar noch eine Probe nur für mich
allein ein; hinzu kamen ausreichend Orchesterproben, etwa beim
Berg-Konzert, das ich mit ihm und den Wiener Philharmonikern in
Salzburg gespielt habe. Und dann gab es, wie gesagt, eine Zeit,
in der ich jeden Sommer beim Ravinia Festival Chicago Kammermusik
mit ihm gespielt habe, darunter die Klavierquartette von Brahms.
Levine hat mir es sogar ermöglicht, ihm vorzuspielen und seine
Meinung einzuholen, ohne daß es um gemeinsame Konzertprojekte
gegangen wäre. Das war ein seltener Glücksfall. Er hat
mich sehr positiv beeinflußt, von ihm habe ich viel gelernt.
Welche Hinweise von Levine
waren besonders wertvoll für Sie?
Das Wichtigste war wohl das Gefühl fürs Tempo – und
dafür, wie es sich auf den Zuhörer überträgt.
Das ist, wie ich auch heute immer wieder beim eigenen Unterrichten
feststelle, ein ganz entscheidender Aspekt. Denn es genügt
nicht, eine Vorstellung von einem Stück zu haben. Man muß auch
wissen: Wie überträgt, wie projiziert man sie? Wie laut
muß ich spielen, damit der Zuhörer wirklich ein Crescendo
wahrnimmt? Wie groß kann ich die Unterschiede zwischen einem
Pianissimo und Fortissimo machen? Meistens neigt man gerade als
junger Mensch dazu, zu schnell zu spielen, sich zu wenig Zeit zu
nehmen und dynamisch zu wenig auszuloten.
Bei den Dirigenten, mit
denen Sie solistisch gespielt haben, fehlt kaum ein berühmter Name der letzten Jahrzehnte: Claudio Abbado,
Herbert Blomstedt, Christoph von Dohnányi, Bernard Haitink
sind darunter, Lorin Maazel, Zubin Mehta und Václav Neumann,
Roger Norrington, André Previn, Wolfgang Sawallisch, Franz
Welser-Möst … Wen aus dieser Reihe würden Sie selbst
noch als besonders wichtig für Sie herausheben?
Es ist schwer, ja eigentlich unmöglich, hier Gewichtungen
vorzunehmen. Aber eigens genannt werden sollte, wer mich in meinem
musikalischen Werdegang besonders geprägt hat – und
das war neben James Levine vor allem Zubin Mehta. Ihm habe ich
zu verdanken, daß ich mit 16 den Mut hatte, nach Amerika
zu gehen und bei Dorothy DeLay an der Juilliard School zu studieren.
Eine entscheidende und glückliche Weichenstellung für
meine künstlerische und persönliche Entwicklung!
Wie kam es zum Kontakt mit Zubin Mehta?
Ich habe als 15jähriger bei den Wiener Philharmonikern substituiert.
Und Mehta, der sich schon immer besonders für den musikalischen
Nachwuchs interessiert hat, wollte wissen, mit wem er es denn da
zu tun habe, und lud mich ein, ihm vorzuspielen. Seinem Rat folgend
habe ich dann Wien verlassen, nicht ohne vorher noch das Diplom
an der Musikuniversität zu machen. Vier Jahre später,
1978, habe ich dann die Diplomprüfung an der Juilliard School
abgelegt. Ein Jahr lang bin ich dann noch zwischen der Neuen und
der Alten Welt gependelt, um die Ausbildung abzurunden, wobei ich
in dieser Zeit schon international aufgetreten bin.
Der Unterricht bei Dorothy
DeLay, den Zubin Mehta Ihnen nahelegte, war tatsächlich von entscheidender Bedeutung für
Sie …
Ja, sicherlich: Dorothy DeLay war für mich in jeder Hinsicht
ein Glücksfall. Sie strahlte eine große Wärme aus,
war ansprechbar für viele andere Dinge außer Geigespielen – und
das war für mich, der ich als 16jähriger einen solchen
Schritt wagte, außerordentlich wichtig. Mit einem Wort: eine
großartige Lehrerin mit umfassenden Kenntnissen und großem
Horizont.
Trotzdem könnte man jetzt etwas zugespitzt nachfragen: Was
konnte Ihnen New York bieten, was Sie nicht auch in der Musikstadt
Wien hätten lernen können?
Sicherlich habe ich auch in Wien eine sehr gute Ausbildung genossen,
zunächst in freier Form bei meinem Vater, der als Geiger selbst
Mitglied der Wiener Philharmoniker war, dann bei Ernst Morawec,
einer legendären Figur der Wiener Musikszene, Solobratscher
der Philharmoniker und Mitglied des Schneiderhan-Quartetts. Aber
für mich selbst und meine Entwicklung war es enorm wichtig,
hinauszukommen aus dem behüteten Umfeld. Und rückblickend
betrachtet war dieser Schritt, dieser Weggang nach New York in
so jungen Jahren, ein ganz wesentlicher Impuls in Richtung Selbständigkeit
für mich. Hinzu kam, daß in der Klasse von Dorothy DeLay
etliche der weltbesten jungen Geiger zusammenkamen. Shlomo Mintz
war einer meiner Kommilitonen, Mark Kaplan studierte hier, Nadia
Sonnenberg und Nigel Kennedy, mit dem ich eine Zeitlang auch die
Wohnung teilte. Kurzum: An dieser Ausbildungsstätte herrschte,
wenn man so will, eine gesunde Konkurrenz. Und von diesem gegenseitigen
Ansporn habe ich ebenfalls viel profitiert.
Sie unterrichten heute
selbst als Professor an der Universität
für Musik und darstellende Kunst in Wien und waren vorher
jahrelang Professor an der Musikhochschule Hannover. Gibt es in
Ihrer eigenen pädagogischen Arbeit Prinzipien, die Sie von
Dorothy DeLay übernommen haben und auf Ihre Weise weiterführen?
Drei Punkte fallen mir da zentral ein: Der erste ist, daß Dorothy
DeLay sich immer darum bemüht hat, daß die Studenten
sich wohlfühlen. Angst und Druck sind kein guter Nährboden
für das Studium. Das ist auch meine Überzeugung. Dazu
gehört auch, daß man Studenten mit Respekt begegnet.
Der zweite wichtige Punkt ist, sehr genau zu wissen, wie etwas
funktioniert, um wirklich Hilfestellungen geben zu können.
Ich meine das jetzt durchaus im technisch-praktischen Sinn: Was
muß man tun, um konkret dies oder jenes zu verbessern?
Was passiert, wenn man dieses oder jenes unterläßt?
Hier gilt es, nicht numinos herumzureden oder sich auf Anweisungen à la „So
macht man’s halt“ zurückzuziehen, sondern präzise
etwas aussagen zu können. Und auch in diesem analytischen
Bereich habe ich viel von Dorothy DeLay gelernt. Der dritte Punkt
zielt auf die Motivation, den Anstoß zur Eigenverantwortung.
Das reicht von dem Problem, daß jemand zwar Geige studiert,
aber nicht ausreichend übt – womit man sensibel und
eben nicht mit Druck umgehen muß – bis zur Aufgabe,
selbständige Interpretationsansätze zu fördern.
Das Ziel ist, daß der Studierende die Stücke, die er
lernt, auch von sich aus überzeugend interpretiert.
Wie war es denn um Ihre
eigene Motivation am Anfang Ihrer Laufbahn bestellt? Gab es da,
im „philharmonischen“ Haus
der Altenburgers, einen gewissen Erwartungsdruck?
Nein, überhaupt nicht. Mein Vater hatte, Gott sei Dank, keinen
besonderen Ehrgeiz, daß ich als Kind Geige spiele. Aber ich
wollte das und verlangte nachhaltig danach. So bekam ich dann erst
einmal eine Spielzeuggeige. Die gab
furchtbare Töne von sich, und auch mein Vater litt furchtbar
unter diesem Blechding. So kam dann die erste Geige für mich
ins Haus. Und mein Vater unterrichtete mich – mehr spielerisch,
ohne Zwang. Ich habe auch nicht stundenlang geübt als kleines
Kind, ich war kein Wunderkind. Das Wichtigste aber war und ist
in einem solchen Fall: daß man von klein auf damit aufwächst …
Später haben Sie dann an der Wiener Musikuniversität
studiert.
Ja, es gab damals noch die Möglichkeit, hier – neben
dem Besuch der Schule – als Externist zu studieren. Als Hauptfach
hatte ich Komposition inskribiert …
Was ist denn aus dem Komponisten Christian Altenburger geworden?
Gar nichts! „Komposition“ in dieser Ausbildungsphase
hieß: Vier Jahre lang Generalbaß, strenger Satz …,
erst später wäre dann die eigentliche Kompositionsklasse
gekommen. Aber immerhin: Für einen Geiger habe ich sehr intensiven
Theorieunterricht gehabt.
Aus dem Kompositionsstudenten hat sich
also kein Komponist entwickelt – aber
ein Interpret mit einer besonderen Beziehung zur zeitgenössischen
Musik. Denn auch Komponisten gehören ja zu Ihrem engsten Freundeskreis,
waren und sind wichtig für Ihr Leben und Ihre künstlerische
Arbeit …
Die Beschäftigung mit zeitgenössischer Musik ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Meiner Meinung nach sollte es zum Selbstverständnis jedes ausübenden Musikers gehören,
sich auch mit dem auseinanderzusetzen, was in der Gegenwart geschaffen
wird. Dabei spreche ich, was mich anbelangt, nicht von "Pflichtübungen". Die Möglichkeit, bei der Entstehung eines Werkes dabei zu sein ist, eröffnet äußerst spannende Erfahrungen; genauso bereichernd ist es, sich mit einem Komponisten über ein schon existierendes Stück auszutauschen oder ein unmittelbares Feedback bei einer Aufführung oder Probe zu bekommen. Ich habe dies intensiv in der Zusammenarbeit mit Gerhard Schedl erlebt. Aber auch mit Kurt Schwertsik, Helmut Schmidinger, Gottfried von Einem, Bert Breit, Werner Pirchner, Thomas Larcher, Erich Urbanner, Theodor Berger, Wilhelm Killmayer, Witold Lutoslawski ist mir aufs Schönste bestätigt worden, wie wertvoll die persönliche Begegnung von Interpret und Komponist sein kann.
Wie wichtig sind zeitgenössische Werke in Musikprogrammen
heute? Welche Rolle können sie im Kontext des „klassischen“ Repertoires
spielen.
Natürlich leben wir in einer Zeit, in
der das Interesse des breiten Publikums besonders in der Musik (anders
als in der Malerei und der Literatur) zum großen Teil den Werken
der Vergangenheit gilt – damit sind wir als Musiker immer wieder
konfrontiert. Andererseits habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht,
daß zeitgenössische Meisterwerke in qualitativ hochwertigen
Aufführungen das Publikum genauso begeistern können wie
etablierte Repertoirestücke. Die Konsequenz daraus liegt auf
der Hand: Es ist meiner Meinung nach unerläßlich, einem
zeitgenössischen Werk ebensoviel Sorgfalt zukommen zu lassen
wie einem Stück von Mozart, Beethoven oder Brahms. Wenn wir
als Musiker auch hier unser Bestes geben, werden zeitgenössische
Meisterwerke sicher ihren Platz in „klassischen“ Konzertprogrammen
finden.
Sie haben schon in jungen Jahren enorm vieles erreicht und bis
heute außerordentliche viele künstlerische Facetten
zur Entfaltung gebracht. Gibt es trotzdem Aspekte, die bislang
zu kurz gekommen sind? Oder anders gefragt: Gibt es neue Themen,
neue Perspektiven, die Sie in Zukunft beschäftigen werden?
Tatsächlich gibt es Repertoirebereiche, die bei meiner solistischen
Tätigkeit etwas zu kurz gekommen sind – ich denke da
vor allem an die „klassische Moderne“, Komponisten
des 20. Jahrhunderts wie Dmitri Schostakowitsch, Karol Szymanowski,
George Enescu oder Edward Elgar. Ihnen werde ich mich nun verstärkt
zuwenden.
Genauso wichtig ist es, sich mit den aktuellen
Entwicklungen bei der Interpretation älterer Musik auseinanderzusetzen.
So werde ich mich nun eingehender mit dem Barockbogen beschäftigen – auch
das ist ein neuer Aspekt für mich, von dem ich mir Neuanstöße
zur musikalischen Artikulation etwa bei Bachs Solosonaten erwarte.
Auch bei meiner pädagogischen Arbeit möchte ich gerne
Neues probieren, besonders im Hinblick auf die mentalen Aspekte
des Musizierens. Ich selbst habe immer sehr viel ohne Instrument
gearbeitet, nicht nur beim Auswendiglernen, sondern generell bei
der geistigen Erfassung eines Stücks. Es reizt mich, diese
mentalen, geistigen Prozesse verstärkt zum Thema des Unterrichts
zu machen.
Und was schließlich mein künstlerisches „Hobby“ angeht,
nämlich das Ausdenken von Programmen, die Konzeption von Konzertreihen
und Festivals – auch da sehe ich noch ein sehr großes,
nicht ausgeschöpftes Zukunftspotential. Ich bleibe weiter neugierig
und offen für Kreatives, Spontanes, Überraschendes.
Das Gespräch führte Dr. Joachim Reiber.
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